Jakob Stebler

Gesellschaftskritischer Theaterautor für die Schweizer Volksbühne

Biografie

Jakob Stebler, der populäre, während Jahrzehnten meistgespielte Mundartautor des 20. Jahrhunderts, ist in einem Nachruf „der grosse alte Mann des Schweizer Volkstheaters“ genannt worden.

In einer anderen Würdigung steht zu lesen: „In der Rubrik der Schweizer Autoren würde ein wesentlicher Aspekt fehlen, wenn nicht auch Jakob Stebler darin vertreten wäre“.

Wer war Jakob Stebler?

Er wurde 1898 in Zürich-Altstetten geboren und ist in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen. In Schöftland, wo die Familie später wohnte, besuchte er die Bezirksschule. In dieser Zeit überlegte er sich, ob er wohl lieber Pfarrer oder Schuhmacher werden wolle. Es war wohl beides nicht ganz das Richtige, jedenfalls begegnen wir ihm später im Beruf eines Postbeamten.

Wie viele junge Menschen hat er Gedichte geschrieben, sentimentaler Natur meist. Doch anders als üblich hat sich bei ihm diese Gewohnheit nicht im Sand verlaufen. Die Lust am Schreiben packte ihn - er hat sie bis ins hohe Alter nie verloren.

Bekannt geworden ist er als Autor volksnaher Theaterstücke, Einakter und Sketches – insgesamt etwa 150 Titel – die während Jahrzehnten auf den Bühnen des schweizerischen Volkstheaters von Stadt und Land mit Erfolg gespielt wurden und ab und zu heute noch gespielt werden. Dazu kamen zahlreiche Schauspiele, Hörspiele, zeitkritische Kabarettszenen und ein Roman.

Jakob Stebler erarbeitete das ganze literarische Werk in der Freizeit neben seinem Beruf, dem er bis zu seiner Pensionierung 1963 nachging. Er arbeitete zuerst in Zürich, kurze Zeit in Baden und ab 1939 auf der Generaldirektion PTT in Bern.

Nach seiner Pensionierung folgte eine Zeit fruchtbaren schriftstellerischen Schaffens. Er schrieb in den letzten Jahren viele eher kurze Arbeiten: Glossen, Satiren, Aphorismen und – am Bekanntesten wohl – die lustigen „Göpfi“-Geschichten. Darin beschreibt Jakob Stebler einen liebenswerten Lausbuben, der – in unbekümmerter Orthographie – in seine gesammelten Stilblüten manche sozialkritische Wahrheit verpackt.

Es wäre falsch, sich Jakob Stebler als stets fröhlichen Spässemacher vorzustellen. Er hielt es mit der leisen inneren Heiterkeit und war im Grunde ein tiefernster Mensch. Seine Werke bringen einen zum Lachen und geben zugleich Anstoss zum Nachdenken.

Jakob Stebler wurde für sein Schaffen mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt. Die meisten seiner Werke sind in der Schweizerischen Landesbibliothek in Bern und in der Schweizerischen Theatersammlung, ebenfalls in Bern, der Öffentlichkeit zugänglich und bleiben so der Nachwelt erhalten.

Und was wissen wir von Jakob Stebler als Privatperson? Er war mit Rosa Hunziker verheiratet und hatte zwei Töchter. Klassische Musik bedeutete ihm viel. Er war sehr belesen. Jakob Stebler bereiste gerne die Welt, und das zu einer Zeit, bevor der Massentourismus entstanden war. Sein Sprachtalent kam ihm dabei zugute. Als überzeugter Atheist und Pazifist musste er sich sicher oft als Aussenseiter gefühlt haben. Vielleicht gab ihm aber gerade das die Gabe, die Mitmenschen in verschiedensten Lebenssituation aus einer gesunden Distanz zu beobachten und zu beschreiben.

Das war Jakob Stebler. Er ist im Oktober 1985 im Alter von 87 Jahren in Bümpliz gestorben.

Erika Saxer-Stebler, Tochter des Jakob Stebler

IMPRESSUM Text: Erika Saxer-Stebler, Recherchen: Stefan Saxer, Webdesign: Monika Saxer